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| German Journal of Air and Space Law | |
| Revue Allemande de Droit Aérien et Spatial | |
| Eine wissenschaftliche Fachzeitschrift im Zeitalter der neuen Medien |
Weder Form noch Inhalt der Zeitschrift für Luft- und Weltraumrecht (ZLW) verraten die Veränderungen, die sie während der letzten 4 Jahre in ihrer Fertigung durchlaufen hat. Die ZLW ist ein Beispiel dafür, welche Revolutionen neue elektronische Herstellungsverfahren im wissenschaftlichen Publikationsbereich ausgelöst haben.
Die ZLW ist eine Traditionszeitschrift. Sie wurde im Jahre 1929, in der Pionierzeit der Luftfahrt, gegründet. Heute ist sie ein Beispiel für eine internationale Publikation in einem der sogenannten "Orchideenfächer". Ihre Auflage ist im Vergleich zu anderen Gebieten klein, in ihrem Fach gehört sie jedoch zu den ganz Großen. Sie ist die einzige Publikation ihrer Art im gesamten deutschsprachigen Raum und eine von höchstens einem halben Dutzend weltweit. Sie wird als dreisprachige Vierteljahresschrift des Instituts für Luft- und Weltraumrecht an der Universität zu Köln herausgegeben.
Naturgemäß spielt für den gesicherten Bestand eines solchen Projektes die Frage der Finanzen eine dominante Rolle. Die ZLW kann sich natürlich aus dem reinen Verkaufserlös nicht finanzieren. Sie wird daher seit ihren Anfängen vom Bundesministerium für Verkehr bezuschußt. Dieses sieht die Bedeutung der ZLW auch für seine eigene juristische Tätigkeit darin, daß die ZLW das gesamte internationale Material auf ihrem Fachgebiet auswertet und archiviert. Auch wurde besonderer Wert darauf gelegt, daß diese Arbeit von einem Universitätsinstitut geleistet wird, das sowohl über das erforderliche Know-How als auch über die für eine solche Arbeit unerläßliche Neutralität und Unabhängigkeit verfügt.
Trotz der finanziellen Unterstützung des Ministeriums wurde vor vier Jahren die finanzielle Situation der ZLW sehr schwierig. Zu aufwendig war die klassische Herstellung der Zeitschrift gegenüber neuen elektronischen Verfahren, und die Kosten drohten ins Uferlose zu steigen. Daher entschlossen sich der Herausgeber Prof. Böckstiegel, die Redaktionsleiterin Dr. Marietta Benkö und ihre Redaktionsassistentin Ursula Steck, MA, die Herausforderung anzunehmen und sämtliche Arbeitsabläufe umzustellen. Das Ziel war eine vollständig kamerafertig in der Redaktion erstellte Druckvorlage der Zeitschrift, die in der Druckerei nur noch von Diskette als Postscript Datei in das Satzgerät einläuft und als Endversion der ZLW herauskommt.
Für den Verlag und die Druckerei war die Umstellung der ZLW ein zukunftsweisendes Experiment. Auch wollte man einen Weg finden, kleinen Fachzeitschriften, die wenig oder gar keine Zuschüsse bekommen, die Möglichkeit zu bieten, preiswert, aber in gepflegter Form auf den Markt zu kommen.
Die Probleme begannen bereits mit der Anschaffung des ersten Computers. Ein Geräteetat war im ursprünglichen Finanzplan nicht vorgesehen, und so mußte zusätzlich zu den hohen Druckkosten, (das alte, teure Verfahren wurde ja zunächst weiterhin praktiziert) Geld aufgebracht werden. Dann mußten die Autoren auf elektronische Datenverarbeitung ein- und umgeschworen werden. Der Mangel an Erfahrung auf allen Seiten war besonders problematisch sowie das fehlende Geld für kompetenten Hardware-Support. So konnte die ZLW nicht in einem einzigen, großen Arbeitsgang sondern nur nach und nach umgestellt werden. (Die Zahl der kurzzeitig ausprobierten und benutzten Konvertierungs-, Textverarbeitungs- und Layoutprogramme belief sich auf fast ein Dutzend.) Für ca. zwei Jahre gab es keinen einzigen sich wiederholenden Produktionsvorgang. Nach und nach konnten aber Druckkosten gespart und für die Anschaffung und Wartung von Geräten verwendet werden. Der erste PC ist immer noch der zentrale Produktionsrechner der ZLW, wurde aber soweit aufgerüstet, daß er das Vielfache der ursprünglichen Leistung erbringt. Mit ihm verbunden ist inzwischen ein 17 Zoll Grafikbildschirm, ein Flachbettscanner, ein postscriptfähiger Laserdrucker und ein 14.400er Modem.
In der aus zwei Frauen bestehenden winzigen Redaktion der ZLW führten diese Entwicklungen natürlich zu grundlegenden Veränderungen des Arbeitsalltags. Frau Benkö plant, konzipiert und redigiert die Hefte fachlich und inhaltlich. Frau Steck setzt diese Arbeit technisch um und erstellt die Druckvorlage. Gemeinsam betreuen sie die Autoren und erarbeiten neue Abläufe. Auch an Frau Stecks Arbeitsplatz werden inzwischen neue technische Anforderungen gestellt. Dieser wurde wesentlich von der Schwerbehindertenvertretung der Universität unter Herrn Heinz Heimes sowie dem Landschaftsverband Nordrhein-Westfalen umgestaltet.
Die ZLW wird heute mit dem Programm WinWord 6.0 kamerafertig erstellt. Von der Überschrift bis zur Zitierleiste sieht die ZLW jedoch genauso aus wie vor der Umstellung. Die Arbeitsabläufe haben sich inzwischen tatsächlich vereinfacht - wenn sich auch die Arbeitszeit der Redaktion insgesamt nicht verringert hat. Jedoch hat sich der auf die Zeitschrift entfallende Druckkostenzuschuß stark vermindert. Aus dieser Ersparnis wird inzwischen der Gerätebedarf der Redaktion getragen. Auch kann die ZLW nunmehr mit der Hälfte des Druckkostenzuschusses, der vor 20 Jahren gezahlt wurde, beinahe doppelt so viele Seiten produzieren. Ein weiterer Vorteil aus der Umstellung ist sicherlich auch die Autonomie der Redaktion: sie hat heute in ihrer Terminplanung den größtmöglichen Spielraum, sowie eine große Flexibilität der Arbeitsabläufe und kann nunmehr mit technischen Entwicklungen jederzeit Schritt halten.
Als Anerkennung für ihre wissenschaftliche Tätigkeit u.a. auch als Redaktionsleiterin der ZLW wurde Frau Dr. Benkö 1995 das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen (vgl. Uni-Journal, 3/1995, S.58 f).
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